Fragen zum I Ging und zum Buch

Was das I Ging leisten kann, wie dieses Buch damit arbeitet und warum die Frage im Mittelpunkt steht.

1. Was ist das I Ging – und worum geht es in diesem Buch?

Das I Ging, das „Buch der Wandlungen“, besteht aus 64 Hexagrammen – Zeichen aus jeweils sechs durchgehenden oder durchbrochenen Linien. In diesem Buch werden sie als unterschiedliche menschliche Lebenssituationen und Wandlungsprozesse betrachtet.

Klaus-Dieter Matz nähert sich dem I Ging aus psychologischer Perspektive. Im Mittelpunkt stehen Selbstprüfung und Metareflexion. Die Zeichen sollen keine fertigen Lösungen liefern, sondern dazu anregen, das eigene Denken, Fühlen, Wollen und Handeln genauer zu betrachten.

2. Was bedeuten die 64 Hexagramme?

Jedes Hexagramm besteht aus sechs Linien und entsteht aus der Verbindung zweier der acht Trigramme. Durchgehende und durchbrochene Linien bilden unterschiedliche Zeichen.

In diesem Buch werden die 64 Hexagramme als Lebenssituationen entfaltet – beispielsweise Handeln, Hingabe, Beginn, Lernen, Streit, Rückzug, Selbstkritik oder Entwicklung. Zu jedem Zeichen gehören eine Erläuterung, die Deutung seiner Linien, eine Zusammenfassung und Reflexionsfragen.

3. Was ist das Besondere am Ansatz von Klaus-Dieter Matz?

Klaus-Dieter Matz verbindet seine mehr als dreißigjährige Beschäftigung mit dem I Ging mit einem Ansatz der Metareflexion. Ausgangspunkt ist vor allem die Übertragung und Interpretation Richard Wilhelms.

Die 64 Hexagramme werden mit konkreten Reflexionsfragen verbunden. Der Leser betrachtet nicht nur eine Lebenssituation, sondern prüft zugleich, wie er selbst diese Situation wahrnimmt und deutet und welchen Anteil er daran hat.

4. Was bedeutet Metareflexion?

Metareflexion bezeichnet in diesem Buch eine zweite Ebene der Reflexion. Es geht nicht nur darum, über ein Problem oder eine Situation nachzudenken, sondern auch die eigene Art des Denkens, Deutens und Handelns zum Gegenstand der Betrachtung zu machen.

Das bedeutet beispielsweise, nicht nur das Verhalten anderer zu beurteilen, sondern nach dem eigenen Anteil zu fragen und die eigenen Wahrnehmungen, Erwartungen und Deutungen kritisch zu prüfen.

Mehr zum metareflexiven Ansatz von Dr. Klaus-Dieter Matz und zu seiner Entwicklung erfahren Sie auf der Seite Metareflexion – das eigene Denken hinterfragen.

5. Warum stehen Fragen und nicht Antworten im Mittelpunkt?

Eine schnelle Antwort kann dazu verleiten, eine komplexe Situation zu vereinfachen. Der Ansatz dieses Buches geht deshalb einen anderen Weg: Eine Ausgangsfrage wird durch weitere Fragen vertieft.

Nach der Beschäftigung mit einem Hexagramm wird geprüft, welche seiner Aussagen für die eigene Situation bedeutsam sind. Daraus können neue Fragen entstehen – etwa nach übersehenen Voraussetzungen, eigenen Erwartungen oder bislang nicht wahrgenommenen Hindernissen.

6. Wie kann ich das Buch für eine konkrete Lebenssituation nutzen?

Das Buch bietet drei Zugänge: Es kann fortlaufend gelesen werden, ein Kapitel kann passend zu einer konkreten Lebenssituation ausgewählt werden oder ein Hexagramm kann als Ausgangspunkt einer vertieften Selbstbefragung dienen.

Hilfreich ist es, vor der Lektüre zwei oder drei eigene Fragen zu notieren, etwa: Was ist mein eigener Anteil an der Situation? Welche Haltung bringe ich ein? Was würde ein unbeteiligter Dritter erkennen?

Einen ersten Überblick über passende Zeichen gibt der Atlas der 64 Lebenssituationen.

7. Wie finde ich ein Hexagramm, das zu meiner Situation passt?

Mit dem Themenfinder im Atlas lassen sich Hexagramme gezielt nach Lebensbereichen auswählen. Dazu gehören unter anderem Aufbruch und Veränderung, Beziehung und Gemeinschaft, Konflikt, Krise, Lernen, Erfolg sowie Werte und Sinn.

Alternativ kann ein Hexagramm mithilfe des traditionellen Münzorakels bestimmt werden. Dabei entscheidet der Zufall lediglich, welches Zeichen zum Ausgangspunkt der Betrachtung wird. Eine Vorhersage oder verbindliche Antwort ist damit nicht verbunden.

In beiden Fällen beginnt anschließend die eigentliche Auseinandersetzung mit dem Zeichen und die weitere Selbstbefragung.

8. Ist das I Ging ein Orakel?

Historisch wurde und wird das I Ging auch als Orakel verwendet. Der Ansatz dieses Buches versteht es jedoch nicht als Instrument zur Vorhersage der Zukunft oder als Instanz, die richtige Entscheidungen vorgibt.

Beim traditionellen Münzverfahren entsteht durch sechs Würfe ein Hexagramm. Das so bestimmte Zeichen wird in diesem Buch als Ausgangspunkt für die weitere Selbstbefragung genutzt. Der Zufall liefert dabei keine Botschaft und keine Antwort. Er führt lediglich eine Perspektive ein, die man möglicherweise nicht selbst gewählt hätte.

Entscheidend ist anschließend die kritische Auseinandersetzung mit dem Zeichen: Was davon ist für die eigene Situation bedeutsam? Welche Voraussetzungen, Erwartungen oder Handlungsmöglichkeiten werden dadurch sichtbar?

9. Muss ich das Münzorakel verwenden?

Nein. Das Münzorakel ist nur eine Möglichkeit, mit dem Buch zu arbeiten.

Ein Hexagramm kann ebenso über den Themenfinder oder durch gezieltes Nachschlagen ausgewählt werden. Auch eine fortlaufende Lektüre des gesamten Buches ist möglich. Entscheidend ist die anschließende Auseinandersetzung mit dem Zeichen und den daraus entstehenden Fragen.

10. Gibt das I Ging eine Antwort auf meine Frage?

Nicht im Sinne einer eindeutigen Lösung oder Handlungsanweisung. Ein Hexagramm kann unterschiedliche Anregungen enthalten. Nicht jede Aussage ist für jede Situation gleichermaßen bedeutsam.

Der Leser prüft deshalb selbst, welche Gedanken mit seinem Anliegen in Verbindung stehen. Welche Einsichten daraus entstehen und wie anschließend gehandelt wird, bleibt in seiner eigenen Verantwortung.

11. Welche Fragen eignen sich für die Arbeit mit dem I Ging?

Das Buch empfiehlt offene Fragen, die nicht einfach mit Ja oder Nein beantwortet werden können. Eine Ausgangsfrage sollte die eigene Situation möglichst genau erfassen und Raum für unterschiedliche Perspektiven lassen.

Beispiele sind: „Was sollte ich beachten, wenn …?“, „Wie sollte ich mit Person X umgehen?“ oder „Welche Entwicklungen und Folgen sollte ich im Fall X bedenken?“

Daraus können weitere Vertiefungsfragen entstehen, etwa nach dem eigenen Anteil, nach übersehenen Hindernissen oder nach dem geeigneten Zeitpunkt für eine Handlung.

12. Wann sollte ich das I Ging nicht befragen?

Wenn innere Unruhe, Druck oder psychische Belastungen die Auseinandersetzung erschweren, ist eine Pause sinnvoll. Versuchen Sie nicht, eine Deutung zu erzwingen. Das I Ging ist kein Ersatz für eine Therapie.

13. Welche Rolle spielen deutsche Sprache und Übersetzung in diesem Buch?

Der Ansatz von Klaus-Dieter Matz knüpft vor allem an die deutschsprachige Übertragung und Interpretation Richard Wilhelms an. Das Buch orientiert sich daher überwiegend an den durch Wilhelm verbreiteten deutschen Schreibweisen und Bezeichnungen.

Gleichzeitig weist der Autor darauf hin, dass chinesische Namen, Begriffe und Hexagramme unterschiedlich übertragen und gedeutet werden können. Die gewählten Begriffe beeinflussen damit auch, wie ein Zeichen verstanden und welche Fragen daraus entwickelt werden.

Die Erläuterungen und Reflexionsfragen dieses Buches verstehen sich deshalb als Deutungs- und Verständnishilfen – nicht als einzig mögliche Auslegung.

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